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Das Bild zeigt einen Mann, der mit Headset am Laptop lernt und gerade Arbeitsunterlagen sichtet

Bildungsurlaub

Alles, was du über den Bildungsurlaub wissen musst

Die Arbeitswelt verändert sich stetig und man kann sich nicht mehr nur auf irgendwann einmal Erlerntes verlassen. Wissen kann auch schnell veralten. Es gibt kaum einen Bereich, in dem nicht immer wieder neue technische, organisatorische oder kommunikative Kompetenzen gefordert sind – Kompetenzen, die Berufstätige neu erwerben oder auffrischen müssen, um im Job mithalten zu können.

EDer Staat fördert die Initiative von Arbeitnehmern, ihr Wissen aufzufrischen und Neues zu lernen. Daher haben Beschäftigte in 14 von 16 Bundesländern einen gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub und es wird kein Erholungsurlaub gekürzt oder abgezogen. Die Kosten teilen sich Arbeitnehmer (in Form von Seminargebühren und Fahrtkosten) und Arbeitgeber (durch die Lohnfortzahlung).

Für einen Bildungsurlaub (in manchen Bundesländern als Bildungsfreistellung oder Bildungszeit bezeichnet) muss der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern bezahlten Urlaub für eine Weiterbildung geben. Sie werden also von der Arbeit beurlaubt, um zu lernen, daher der Name „Bildungsurlaub“. Bildungsurlaub ist also nicht einfach nur Urlaub. Seminare, die als Bildungsurlaub anerkannt sind, wurden von den jeweiligen Bundesländern bezüglich ihrer Konzepte und Lernziele geprüft und als Mehrwert für Arbeitnehmer und Arbeitgeber befürwortet.

Alle Parteien profitieren vom Wissens-Zuwachs: der Arbeitgeber durch das neu erworbene Wissen, das dem Unternehmen zur Verfügung steht, die Arbeitnehmer dadurch, fachlich auf aktuellem Stand zu bleiben und ihr Wissen zu erweitern.

Was zählt als Bildungsurlaub?

… Grundsätzlich kann ein Arbeitnehmer frei entscheiden, welche Bildungsmaßnahme er besuchen möchte und worin der inhaltliche Schwerpunkt liegt.

Die einzige Voraussetzung ist, dass die Weiterbildung in dem Bundesland des Arbeitnehmers anerkannt ist. Hier muss man sich vorher unbedingt noch einmal informieren, zum Beispiel über Bildungsurlaub.de, da bekommt man bundeslandspezifische Informationen. Allerdings könnte der Arbeitgeber die Bildungszeit ablehnen, falls die Bildungsmaßnahme nichts mit dem Beruf zu tun hat, das hängt vom Arbeitgeber ab und nicht vom Bundesland.

Die Seminare und Kurse sollen aber nicht nur das Fachwissen von Arbeitnehmern verbessern, sondern sich auch ganzheitlich auf den Erfolg der Angestellten und des Unternehmens auswirken.

Dazu zählen auch Seminare, welche unter anderem die physische und psychische Gesundheit von Mitarbeitern fördern. In 2020 waren allein Rückenschmerzen und psychische Erkrankungen (wie Burn-out) für über 30 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage aller DAK-Versicherten verantwortlich (laut bildungsurlauber.de).

Dies sind einige Schwerpunkte, die für einen Bildungsurlaub infrage kommen (nicht alle werden in jedem Bundesland akzeptiert):

  • Business, Management & Finanzen
  • Wissenschaft & Lehre
  • Technik, Handwerk & Gewerbe
  • Kaufmännisches, Steuer
  • Gesellschaft, politische Bildung, Zeitgeschehen
  • Natur, Ökologie & Umwelt
  • IT, Office & Programmieren
  • Marketing & Design
  • Stressbewältigung
  • Sprachkurse & Sprachreisen (hier gibt es einen zusätzlichen Abschnitt zu)
  • Kreativität (Fotografie, Malen, Musik …)
  • Persönliche & berufliche Entwicklung
  • Sport, Fitness, Yoga

Wie beantragt man einen Bildungsurlaub und was ist zu beachten?

… Der Bildungsurlaub muss in dem Bundesland, in dem du arbeitest, anerkannt sein (in Baden-Württemberg und NRW muss auch der Veranstalter anerkannt sein), aber dort nicht stattfinden.

Die Veranstaltungssuche der www.Bildungsurlaub.de erlaubt es dir, dein Land als Filter zu setzen. Die nicht anerkannten Veranstaltungen sind dann ausgeblendet.

Je nach Land sind leider bestimmte Veranstaltungsarten, Ziele oder Schwerpunkte nicht als Bildungsurlaub möglich. Falls du etwas gefunden hast, dass nur in einem anderen Bundesland anerkannt ist, aber nicht in deinem, kannst du es trotzdem versuchen – der Arbeitgeber darf es freiwillig genehmigen, wenn er will.

Wähle ein passendes Seminar/ einen passenden Kurs aus und melde dich an. Bevor du dich verbindlich anmeldest, geh noch mal auf Nummer sicher und kläre mit dem Veranstalter, ob das Seminar wirklich in deinem Bundesland anerkannt ist. Kann er dies nicht beantworten, musst du abwägen, ob du ein Risiko eingehen willst. Manchmal gibt es auch eine kostenlose Rücktrittoption, dann kannst du es trotzdem versuchen.

Nach der Anmeldung bekommst du in der Regel vom Veranstalter Kursinformationen und Unterlagen (Anmeldebestätigung, Anerkennungsbescheid und inhaltlicher Ablaufplan) zugesandt, mit denen du den Bildungsurlaub beim Arbeitgeber beantragen kannst.

Beantrage den Bildungsurlaub so früh wie möglich beim Arbeitgeber und beachte dabei die geltenden Fristen. Normalerweise muss der Antrag vier bis neun Wochen vor Beginn dort eingereicht werden, wo auch ein Erholungsurlaub eingereicht wird. Füge ein formloses Anschreiben bei.

Lasse dir die Abgabe und das Abgabedatum schriftlich bestätigen, z.B. durch Eingangsstempel und ein Duplikat für deine Unterlagen.

Nun prüft der Arbeitgeber deine Mitteilung und informiert dich zeitnah (er darf sich nicht beliebig Zeit lassen, je nach Bundesland betragen die Fristen 3-4 Wochen) über seine Entscheidung.

Wenn er den Antrag genehmigt: viel Spaß beim Lernen!

Nach der Veranstaltung bekommt man vom Veranstalter eine Teilnahmebescheinigung, aus der hervorgeht, dass das Seminar vollständig besucht wurde. Die Bescheinigung ist zwingend erforderlich – und du hast einen Rechtsanspruch darauf.

Diese Bescheinigung wird nun beim Arbeitgeber eingereicht – darauf hat er wiederum einen Anspruch.

Was passiert, wenn der Bildungsurlaub abgelehnt wurde?

… geben und lass dann mit fachlicher Unterstützung (z.B. Betriebsrat oder Anwalt) prüfen, ob die Ablehnung gesetzeskonform ist.

Es wird in den Bundesländern in der Regel genau definiert, welche Ablehnungsgründe zulässig sind.

Es gibt auch Ausnahmefälle, bei denen ein Antrag auf Bildungsurlaub abgelehnt werden kann. Diese Ausnahmefälle müssen nachvollziehbar und belegbar sein.

Dies sind mögliche Ablehungsgründe:

  • Nicht formgerechter Antrag
  • Nicht fristgerechter Antrag
  • Der Bildungsurlaub überschneidet sich mit wichtigen Projektfristen.
  • Andere Mitarbeiter des Unternehmens haben aus betrieblichen Gründen Urlaubsvorrang.
  • Die Bildungsmaßnahme ist für die Arbeitsstelle irrelevant.

Gilt die Ablehnung nur für diesen einen Termin, stell unbedingt einen neuen Antrag für einen anderen Termin.

Wenn dein Bildungsurlaub in einem Kalenderjahr aus unterschiedlichen Gründen nicht in Anspruch genommen werden konnte, kann dieser in das nächste Kalenderjahr übertragen werden.

Sprachkurse/-reisen

… Das liegt daran, dass manche Sprachschulen – gerade im Ausland – zwar mit dem Wort „Bildungsurlaub“ werben, aber darunter eher einen Urlaub, in dem man etwas lernt und nicht den staatlich anerkannten Bildungsurlaub meinen.

Es gibt aber trotzdem viele Veranstalter, die darauf eingestellt sind und die nötigen Unterlagen und Informationen bereits vorliegen haben.

Sprachreisen müssen eine besondere staatliche Anerkennung besitzen. In einigen Bundesländern sind diese recht streng und eingeschränkt.

Im Saarland wird die Anerkennung zum Beispiel gerade eingeschränkt und in Bremen und NRW existieren schon besondere Regelungen.

Nach dem seit 01.01.2010 geltenden NRW-Gesetz sind Sprachbildungsurlaube im Ausland in einem Radius bis zu 500 km von der Landesgrenze NRWs möglich – das schließt den Mittelmeerraum und andere Kontinente aus.

Bremen erkennt zum Beispiel nur europäische Sprachen an – die allerdings weltweit gelernt werden können. Die anderen Bundesländer erkennen auf Antrag hin an.

Um ganz sicher zu sein, solltest du bei dem Veranstalter der Sprachreise nachfragen, ob diese als Bildungsurlaub in deinem Bundesland anerkannt ist. In vielen deutschen Sprachschulen kennen sie das Verfahren und können dir direkt weiterhelfen und dir die nötigen Unterlagen zusenden.

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